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Drogenkonsum Diese Heilpflanzen können bei der HIV-Infektion oder der HAART problematisch sein »

HanfWie wirken Heilpflanzen, Vitamine, Mineralien? Wie kann man sie bei Erkrankungen einsetzen? Bei der HIV-Infektion, bei Virushepatitis, bei anderen Erkrankungen? Welche Nebenwirkungen, welche Wechselwirkungen sind bekannt? Welche Pflanzen sollte man meiden?



Vitamin E (Tocopherole)

Vitamin E schützt - als so genanntes Antioxidans - Membranlipide (Fettmoleküle in Zellhüllen), Lipoproteine (Moleküle aus Fett und Eiweiß, die den Transport von Lipiden im Blut ermöglichen) und Depotfette vor der Oxidation. In seiner Wirkung wird es durch Vitamin C und Selen unterstützt.

Ursache und Symptome für einen Mangel an Vitamin-E-Mangel:
Paraffin (z. B. in Abführmitteln) bindet fettlösliche Vitamine und verhindert so ihre Verwertung. Paraffin sollte nicht als Abführmittel eingesetzt werden!

Blutfettsenkende Mittel, die Anti-Baby-Pille und bestimmte Antibiotika verschlechtern die Aufnahme von Vitamin E im Körper.

Vitamin E kommt vor allem in Getreide, Samen, Nüssen, Sojabohnen und pflanzlichen Ölen vor; der Tagesbedarf liegt bei etwa 12-15 mg. Tipp: Da Vitamin E durch Licht und Sauerstoff schnell abgebaut wird, sollten Öle dunkel und fest verschlossen gelagert werden.

Anwendung Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) setzt als unbedenkliche Dosis 200 mg/Tag an.

Manche Ärztinnen und Ärzte empfehlen Vitamin E bei besonderer Umweltbelastung (Bestrahlung, Rauchen); in Frage steht allerdings, ob das wirklich sinnvoll ist - ein "Persilschein", noch mehr zu rauchen, ist es auf keinen Fall ...

Vorsicht! Die Verwendung von Antioxidantien wie Vitamin C in der Chemotherapie wird kontrovers diskutiert. Es gibt Bedenken, dass Antioxidantien die Aktivität von Chemotherapeutika, welche freie Radikale produzieren wie z. B. Cyc-lophosphamid, Chlorambucil, Carmustin, Busulfan, Thiotepa und Doxorubicin, senken. Auf der anderen Seite diskutieren einige Forscher die Theorie, dass die Antioxidantien die Effektivität einer Chemotherapie erhöhen können, da sie den oxidativen Stress mindern, was sich günstig auf den Zelltod von Krebszellen auswirken kann. Welche Auswirkungen die Antioxidantien wie Vitamin C auf die Chemotherapie haben, muss noch weiter erforscht werden. Den Patienten wird empfohlen, vor der Einnahme von Vitamin C ihren Onkologen zu konsultieren, insbesondere bei hohen Do-sierungen [Literatur: 1-3].

Überdosierungen von Vitamin E können die Auswirkungen eines Vitamin-K-Mangels auf die Blutgerinnung verstärken.

Dass sich die tägliche hochdosierte Gabe von Vitamin E auch ungünstig auswirken kann, zeigt eine Untersuchung aus dem onkologischen Bereich. Hier wurden 9.541 Patienten über 55 Jahre mit hohem kardiovaskulären Risiko oder Diabetes mellitus über 4,5 Jahre Vitamin E 400 IE verabreicht. Im Vergleich zur Placebogruppe zeigten die Patienten keine Differenzen bezüglich der Anzahl der Krebserkrankungen, der Sterblichkeit und der Anzahl der schwerer kardiovaskulärer Erkrankungen - aber das Risiko einer Herzinsuffizienz stieg an. Inwieweit Vitamin E andere Erkrankungen positiv oder negativ beeinflusst, ist nicht klar.
Vorsicht! Info+ Da der Protease-Inhibitor Agenerase® (Amprenavir) bereits Vitamin E (zur Verbesserung der Bioverfügbarkeit = der Aufnahme des Medikaments aus dem Darm in den Blutkreislauf) enthält, sollte man bei Einnahme dieses Medikaments von einer weiteren Vitamin-E-Zufuhr absehen. Die 50mg-Kapsel Agenerase® enthält 36 IE Vitamin E; der Agenerase®-Saft enthält 46 IE Vitamin E pro Milliliter Saft). Das Nachfolge-Medikament Telzir® (Fos-Amprenavir) enthält kein Vitamin E.

Theoretisch könnte Vitamin E die medikamenteninduzierenden Enzyme aktivieren. Auch wenn dieser Effekt noch sehr fraglich ist, sollte bei Vitamin E mit einer HIV-Therapie vorsichtig sein [Literatur: 4,5].
Info+ Theoretisch ist Vitamin E wie auch Vitamin C ein Antioxidans und kann oxidativen Stress reduzieren. Dieser oxidative Stress wird durch HI-Viren aber auch durch die HIV-Medikamente verstärkt.

Spekuliert wird auch, ob Vitamin E als Antioxidans Fettzellen vor einer Schädigung durch HIV-Medikamente (mitochondriale Toxizität) schützt, doch fehlen dafür bislang Belege. In einer kleinen Studie gab es Hinweise, dass hohe Dosierungen von Vitamin E und C sich ebenso wie HIV-Medikamente ungünstig auf den Insulinstoffwechsel auswirken könnten.

Da rund um das Vitamin E vieles noch nicht genügend erforscht ist, sollten Menschen mit HIV Vitamin-E-Präparate nicht auf eigene Faust, sondern nur nach Rücksprache mit dem behandelnden HIV-Arzt einnehmen.

Literatur:
1. Labriola D, Livingston R. Possible interactions between dietary antioxidants and chemotherapy. Oncology 1999;13:1003-8.
2. Prasad KN. Rationale for using high-dose multiple dietary antioxidants as an ad-junct to radiation therapy and chemotherapy. J Nutr 2004;134:3182S-3S.
3. Conklin KA. Cancer chemotherapy and antioxidants. J Nutr 2004;134:3201S-3204S.
4. Landes N, Pfluger P, Kluth D, et al. Vitamin E activates gene expression via the pregnane X receptor. Biochem Pharmacol 2003;65:269-73.
5. Brigelius-Flohe R. Vitamin E and drug metabolism. Biochem Biophys Res Commun 2003;305:737-40.
6. Tang AM, et al.: Micronutrients: current issues for HIV care providers. AIDS 2005, 19: 847-861.
7. Miller TL, Gorbach SL: Nutritional Aspects of HIV Infection. Arnold Verlag. 1. Auflage 1999.
8. Lonn E, et al.: Effects of long-term vitamin E supplementation on cardiovascular events and cancer: a randomized controlled trial. JAMA 2005;293(11):1338-47.
9. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: D-A-CH Referenzwerte für Nährstoffe. Frankfurt/Main: Umschau-Braus-Verlag 2000.
10. Lechl P: Mikronährstoffe Wie wichtig einst und jetzt? Projekt Information Jahrgang 13, Nr. 4, August 2005.