Verwendet wird die Rinde etwa 10 Jahre alter Bäume (Rote Chinarinde); sie enthält Chinin (das auch gegen Malaria eingesetzt wird), Chinidin-Alkaloide, Gerbstoffe und Bitterstoffe, die den Speichel- und Magensaftfluss anregen. Eingesetzt wird Chinarinde gegen Appetitlosigkeit sowie bei Völlegefühl und Blähungen.
Anwendung Chinarinde kann als Tee zubereitet werden (bis zu 3-mal täglich je 1/2 TL = etwa 1 g fein zerkleinerte Rote Chinarinde mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abgießen; zur Appetitanregung jeweils 1/2 Stunde vor dem Essen, bei Verdauungsbeschwerden nach dem Essen), wird aber auch in Form von Extrakten angeboten, z.T. als Kombinationspräparat.
Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit oder bei Kindern anwenden.
Nicht bei Magen- oder Darmgeschwüren einsetzen, da der Magensaftfluss angeregt wird.
Nicht über längere Zeit oder in höherer Dosierung einnehmen,
es kann zu gesteigerter Empfindlichkeit gegen
Chinarinde und zu »Cinchonismus« kommen, der sich in
Sehstörungen, Kopfschmerzen, Hautausschlägen, Magen- und Darmgeschwüren oder Ohrensausen äußern kann [1].
Chinarinde kann die Wirkung der Antikoagulantien, d. h. von blutungsfördernden Mitteln wie z. B. Marcumar® verstärken und das Risiko von Blutungen erhöhen.
Carbamazepin-Spiegel können erhöht werden (Carbamazepin ist ein Arzneimittel gegen Epilepsie und zur Sedierung).
Da die Chinarinde u. a. Chinin enthält, sollte sie nicht mit Chininpräparaten kombiniert werden [2].
Andere Bezeichnungen:
Fieberrinde
Geschichte:
Die Chinarinde ist mit der Geburtsstunde der Homöopathie verbunden: 1790 übersetzte Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, eine Arzneimittellehre des schottischen Pharmakologen Cullen, der darin behauptete, die Chinarinde heile das Wechselfieber (Malaria) durch ihre magenstärkende Wirkung. Hahnemann bezweifelte dies und testete Chinarinde im Selbstversuch, um deren Wirkungen auf den gesunden Organismus zu ergründen.
Er nahm über einige Tage zweimal täglich 4 Quentchen (á 1,6g) Chinarinde ein und entwickelte jedes mal für 2-3 Stunden Symptome, wie sie vom Wechselfieber bekannt waren: Kältegefühl, Mattigkeit, Schläfrigkeit, erhöhten Puls, Zittern ohne Schaudern, Röte der Wangen, Durst und ein Klopfen im Kopf.
Hahnemann folgerte daraus: "Chinarinde vermag das Wechselfieber zu heilen, weil sie beim gesunden Menschen dem Wechselfieber ähnliche Symptome hervorrufen kann."
Von da an begann Hahnemann weitere Substanzen aus dem Pflanzen- und Mineralreich zu prüfen, führte so genannte Arzneimittelprüfungen durch. Basierend auf diesen Prüfungen entstanden später homöopathische Arzneimittellehren.
Literatur:
[1] Blumenthal M, ed. The Complete German Commission E Monographs: Therapeu-tic Guide to Herbal Medicines. Trans. S. Klein. Boston, MA: American Botanical Council, 1998.
[2] Amabeoku GJ, Chikuni O, Akino C, et al. Pharmacokinetic interaction of single doses of quinine and carbamazepine, phenobarbitone and phenytoin in healthy vol-unteers. East Afr Med J 1993;70:90-3.