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Drogenkonsum Diese Heilpflanzen können bei der HIV-Infektion oder der HAART problematisch sein »

HanfWie wirken Heilpflanzen, Vitamine, Mineralien? Wie kann man sie bei Erkrankungen einsetzen? Bei der HIV-Infektion, bei Virushepatitis, bei anderen Erkrankungen? Welche Nebenwirkungen, welche Wechselwirkungen sind bekannt? Welche Pflanzen sollte man meiden?



Paprikafrüchte (Capsicus frutescens)

Die Droge wird aus den reifen, getrockneten, kräftig orange bis rot gefärbten Früchten der auch Spanischer Pfeffer genannten Pflanze hergestellt; Hauptwirkstoff ist Capsaicin, ein Scharfstoff, welcher die Schmerz- und Wärmerezeptoren der Haut und Schleimhaut reizt und zu einer gesteigerten Durchblutung führt, was sich in starker Hautrötung und Erwärmung der Haut zeigt. Damit verbunden ist eine Entspannung der Muskulatur.

Anwendung Bewährt hat sich capsaicinhaltige Salbe bei Muskelschmerzen und -verspannungen; dazu trägt man das Präparat mehrmals täglich dünn auf. Auch bei Neuralgien (Nervenschmerzen), wie sie z. B. nach einer Gürtelrose möglich sind, kann eine solche Salbe erfolgreich sein, wobei die Schmerzen allerdings meist erst zunehmen, um danach dann abzuklingen.

Vorsicht! Den Kontakt der Salbe mit Augen und Schleimhäuten vermeiden und Präparate nur auf unverletzter Haut anwenden. Salbe mit Handschuhen auftragen oder sofort nach dem Auftragen die Hände gründlich waschen.

Eine zusätzliche Wärmeanwendung vermeiden.
Nicht als Langzeit-Therapie geeignet, da dann Gefühlsnerven geschädigt werden können. Pro Stelle nur 2 Tage anwenden, danach 14 Tage bis zu einer erneuten Anwendung warten.

Vorsicht! Info+ Als Polyneuropathie bezeichnet man die Nervenschädigungen, die durch das HIV-Virus selbst oder durch einige HIV-Medikamente (v.a. Videx, Hivid, Zerit) hervorgerufen werden. Vor allem an den Beinen, aber auch an Händen kommt es zu Dauerschmerzen und Missempfindungen. Capsaicin reizt die Nerven der Haut, daher sollten Capsaicin-haltige Produkte nicht auf eigene Faust (ohne Rücksprache mit der HIV-Schwerpunktpraxis) angewendet werden, um die Schädigung der Nerven nicht zu verstärken.
Info+ Zurzeit wird in Studien untersucht, ob mit Capsaicin-Pflastern oder Salben eine günstige Wirkung auf die Neuropathie erzielt werden kann.
Die Forschergruppe um Simpson (s. Literatur) von der Mount Sinai Medical School in New York untersuchte die Wirkung von Capsaicin-Pflaster bei Patienten, die infolge der HIV-Infektion oder infolge der HIV-Therapie an Neuropathie leiden.
Die Pflaster enthielten 8% Capsaicin und wurden lediglich kurze Zeit (30, 60 oder 90 Minuten) auf der Haut belassen. Capsaicin reizt die Haut, aktiviert erst die Schmerzleitungen, führt zu einer Rötung und inaktiviert dann für längere Zeit die Schmerzempfindung. Einem anfangs kurzfristigen stärkeren Schmerz folgt dann eine lange Phase der Schmerzreduktion. Daher wurde der Anwendung der Capsaicin-Pflaster die Haut zuerst mit einer schmerzstillenden Creme (Lokalanästhetikum) betäubt.

Der schmerzstillende Effekt war allerdings nicht überwältigend: es handelt sich um eine Reduktion der Schmerzwahrnehmung um 23%, also knapp um ein Viertel und auch bei der Placebo-Gruppe (die ein Scheinmedikament zum Vergleich erhielt) nahm der Schmerz um 11% ab. Dafür war die Dauer der Schmerzreduktion mit 12 Wochen überraschend lang (und hielt weiter an).

Capsaicin-Pflaster mit 8% Wirkstoff sind nicht in Apotheken erhältlich, sondern wurden speziell für diese Studie entwickelt. Beim derzeitigen Stand der Forschung ist bei einer Anwendung von Capsaicin Vorsicht anzuraten, denn immerhin handelt es sich um eine Reiztherapie, die -wenn man sie falsch anwendet- durchaus auch Schaden anrichten kann.

Die Forscher wollen nun ihre Ergebnisse in einer größeren Studie, die in mehreren Ländern (voraussichtlich 2006) durchgeführt wird, untersuchen. Voraussichtlich wird sich z.B. die Neurologische Abteilung der Uniklinik Düsseldorf an der Studie beteiligen.

Literatur:
Controlled Study of High-concentration Capsaicin Patch für Painful HIV-associated Distal Sensory Polyneuropathy. Simpson D et al. Retroviruskonferenz, Denver, Abstract 79, Februar 2006