Die Mistel enthält - je nach Wirtsbaum in unterschiedlicher Konzentration - das Immunsystem anregende Lektine (in höherem Anteil, wenn die Mistel von Laubbäumen geerntet wird) und als Zellgift wirkende Viskotoxine (in höherem Anteil, wenn die Mistel von Nadelbäumen geerntet wird). Bei so genannten soliden Krebserkrankungen (also bei festen Tumoren, die »am Stück« wachsen, im Gegensatz z. B. zu Leukämie und Lymphomen,wo die Krebszellen an verschiedenen Stellen wie den Lymphknoten, dem Knochenmark, dem Gehirn, der Leber oder der Milz auftreten) aktiviert Mistel T-Helferzellen und Killerzellen, steigert die Produktion von Zytokinen (= Proteine, die das Verhalten oder die Eigenschaften anderer Zellen ändern, z. B. die Zellbotenstoffe Interleukin- 1, Interleukin-6, Tumor-Nekrose-Faktor) und fördert die Apoptoserate (Apoptose = das »Selbstmordprogramm« der Zelle bei schwerster Schädigung) bestimmter Krebszellen.
Anwendung Das Einsatzgebiet von Mistelpräparaten ist
nicht klar umrissen; wir beschränken uns hier auf die
am besten untersuchte Verwendung in der Schulmedizin
und in der klassischen Naturheilkunde, wo die Mistel
vor allem bei bestimmten Krebsarten eingesetzt wird 8 ,
z.B. bei Brust-, Darm-, Lungen-, Bauchspeicheldrüsen-,
Gebärmutter- und Gebärmutterhalskrebs, beim Eierstockund
Prostatakrebs sowie beim Analkarzinom.
Die Mistel wird von zahlreichen Ärzten zusätzlich zur chirurgischen Therapie/Strahlentherapie/Chemotherapie eingesetzt, z.B. zur Stabilisierung des Blutbilds bei Bestrahlung und zur Hebung der Lebensqualität.
Trotz breiter Anwendung (und zahlreichen kleinen Studien und Fallberichten) gibt es keine Belege für die Wirksamkeit der Mistel aus großen Studien (s. Literatur).
Zur Anwendung kommen Präparate, die auf den Gehalt an Lektin
standardisiert sind 9 und die man per Injektion verabreicht
(in der Regel 2- bis 3-mal pro Woche 1 Ampulle
unter die Haut), wobei man regelmäßige Pausen von 2-4
Wochen einhalten sollte, damit sich keine wirksamen
Konzentrationen von Antikörpern gegen die Mistel bilden.
Nimmt man Mistelpräparate hingegen ein (z.B. als
Tee, Dragees oder Tropfen), werden die Lektine und Viscotoxine
zersetzt.
Andere Bezeichnungen:
Hexenbesen