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Drogenkonsum Diese Heilpflanzen können bei der HIV-Infektion oder der HAART problematisch sein »

HanfWie wirken Heilpflanzen, Vitamine, Mineralien? Wie kann man sie bei Erkrankungen einsetzen? Bei der HIV-Infektion, bei Virushepatitis, bei anderen Erkrankungen? Welche Nebenwirkungen, welche Wechselwirkungen sind bekannt? Welche Pflanzen sollte man meiden?



Viscum blüte |
Mistel (Viscum album)

Die Mistel enthält - je nach Wirtsbaum in unterschiedlicher Konzentration - das Immunsystem anregende Lektine (in höherem Anteil, wenn die Mistel von Laubbäumen geerntet wird) und als Zellgift wirkende Viskotoxine (in höherem Anteil, wenn die Mistel von Nadelbäumen geerntet wird). Bei so genannten soliden Krebserkrankungen (also bei festen Tumoren, die »am Stück« wachsen, im Gegensatz z. B. zu Leukämie und Lymphomen,wo die Krebszellen an verschiedenen Stellen wie den Lymphknoten, dem Knochenmark, dem Gehirn, der Leber oder der Milz auftreten) aktiviert Mistel T-Helferzellen und Killerzellen, steigert die Produktion von Zytokinen (= Proteine, die das Verhalten oder die Eigenschaften anderer Zellen ändern, z. B. die Zellbotenstoffe Interleukin- 1, Interleukin-6, Tumor-Nekrose-Faktor) und fördert die Apoptoserate (Apoptose = das »Selbstmordprogramm« der Zelle bei schwerster Schädigung) bestimmter Krebszellen.

Anwendung Das Einsatzgebiet von Mistelpräparaten ist nicht klar umrissen; wir beschränken uns hier auf die am besten untersuchte Verwendung in der Schulmedizin und in der klassischen Naturheilkunde, wo die Mistel vor allem bei bestimmten Krebsarten eingesetzt wird 8 , z.B. bei Brust-, Darm-, Lungen-, Bauchspeicheldrüsen-, Gebärmutter- und Gebärmutterhalskrebs, beim Eierstockund Prostatakrebs sowie beim Analkarzinom.
Die Mistel wird von zahlreichen Ärzten zusätzlich zur chirurgischen Therapie/Strahlentherapie/Chemotherapie eingesetzt, z.B. zur Stabilisierung des Blutbilds bei Bestrahlung und zur Hebung der Lebensqualität.
Trotz breiter Anwendung (und zahlreichen kleinen Studien und Fallberichten) gibt es keine Belege für die Wirksamkeit der Mistel aus großen Studien (s. Literatur).
Zur Anwendung kommen Präparate, die auf den Gehalt an Lektin standardisiert sind 9 und die man per Injektion verabreicht (in der Regel 2- bis 3-mal pro Woche 1 Ampulle unter die Haut), wobei man regelmäßige Pausen von 2-4 Wochen einhalten sollte, damit sich keine wirksamen Konzentrationen von Antikörpern gegen die Mistel bilden. Nimmt man Mistelpräparate hingegen ein (z.B. als Tee, Dragees oder Tropfen), werden die Lektine und Viscotoxine zersetzt.

Vorsicht! Umstritten ist die Gabe von Mistelpräparaten (unabhängig davon, ob man HIV-infiziert ist oder nicht) bei Lymphomen, einem Krebs, der von den Lymphozyten ausgeht: Da Mistel die Aktivität von Lymphozyten anregt, befürchtet man, dass die Lymphome auf die Mistel- Reiztherapie mit Wachstum reagieren könnten. Wirklich aussagekräftige wissenschaftliche Belege gibt es für diese Befürchtungen bisher allerdings nicht.

Bei Infusion in die Blutbahn (statt Injektion unter die Haut) kann es zu allergischen Reaktionen, Fieber, Schüttelfrost, Herz- und Kreislaufstörungen kommen.
Vorsicht! Info+ Der Einsatz von Mistelpräparaten zur Krebstherapie bei gleichzeitiger HIV-Infektion ist ebenfalls umstritten.
Man befürchtet aufgrund der Stimulation der Immunabwehr eine Aktivierung der Virusvermehrung, doch handelt es sich bei der Immunstimulation durch die Mistel (anders als beim Sonnenhut) nicht um eine Vermehrung der Helferzellen, sondern lediglich um eine Aktivierung der Immunzellen. Gesicherte Daten liegen bisher nicht vor, auch nicht zur Anwendung der Mistel- Krebstherapie bei gleichzeitiger HAART; in einem solchen Fall wird man berücksichtigen, wie stabil die HAART wirkt und wie weit fortgeschritten die Krebserkrankung ist, um den möglichen Nutzen (Therapie gegen Krebs) gegen das potenzielle Risiko (negativer Einfluss auf die HIV-Infektion) abzuwägen.

Theoretisch möglich ist eine Verschlimmerung von allergischen und Autoimmunreaktionen, die unter der HIVInfektion gehäuft beobachtet werden.

Nicht angewendet werden darf Mistel bei chronisch fortschreitenden Infektionen (z. B. Tuberkulose oder anderen opportunistischen Infektionen).

Andere Bezeichnungen:
Hexenbesen

Literatur:
Ernst E, Schmidt K, Steuer-Vogt MK. Mistletoe for cancer? A systematic review of randomised clinical trials. Int J Cancer 2003;107(2):262-7.