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Drogenkonsum Diese Heilpflanzen können bei der HIV-Infektion oder der HAART problematisch sein »

HanfWie wirken Heilpflanzen, Vitamine, Mineralien? Wie kann man sie bei Erkrankungen einsetzen? Bei der HIV-Infektion, bei Virushepatitis, bei anderen Erkrankungen? Welche Nebenwirkungen, welche Wechselwirkungen sind bekannt? Welche Pflanzen sollte man meiden?



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Knoblauch (Allium sativum)

Das in den Knoblauchzehen enthaltene schwefelhaltige, aber geruchlose Alliin kommt beim Zerkleinern der Zellen (z. B. in der Knoblauchpresse) mit Enzymen in Verbindung und wird u. a. zu Allicin umgewandelt, welches dann durch Oxidation zu Schwefelverbindungen mit dem charakteristischen Geruch abgebaut wird.

Knoblauch wirkt antibakteriell und antimykotisch = gegen Pilze (vorbeugend bei Neigung zu Mund-, Rachen- und Harnwegsinfekten), regt die Galleproduktion und somit die Verdauung an, wirkt antioxidativ und wird zur Cholesterinsenkung und damit zur Vorbeugung von Arteriosklerose eingesetzt. Außerdem verbessert Knoblauch die Fließeigenschaft des Blutes und soll auch vorbeugend gegen Erkältungskrankheiten wirken.

Anwendung
Zur Anwendung kommen standardisierte Präparate, da das wirksame Alliin-Allinase-System nur frisch bzw. schonend getrocknet wirksam ist. Die therapeutische Tagesdosis sollte bei frischem Knoblauch bei etwa 2-5 g liegen, bei Knoblauchpulver zwischen 0,4 und 1,2 g, bei Trockenextrakt zwischen 300 und 1.000 mg oder entsprechend 4-12 mg Alliin oder 2-5 mg Allicin.

Vorsicht! Info+
Von der Einnahme von Knoblauchpräparaten muss bei einer HAART dringend gewarnt werden! Hoch dosierte Knoblauchpräparate beeinflussen medikamentenabbauende Leberenzymsysteme; der Blutspiegel von Saquinavir (Invirase® oder Fortovase®) z. B. wird um ca. 50 % gesenkt - diese Wirkung kann noch Tage nach Absetzen des Knoblauchpräparates anhalten!

In der Studie von Piscitelli (s. Literatur) traten die Wechselwirkungen bei einer Dosierung ein, die der Einnahme von 2 Knoblauchzehen (mit jeweils 4 Gramm) pro Tag entspricht (also 8 Gramm Tagesdosis). Dies ist eine relativ große Menge an Knoblauch, die im täglichen Essen kaum, aber als Extrakt in Kapseln durchaus erreicht wird.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat daher im November 2006 die Hersteller von Knoblauch-haltigen Arzneimitteln aufgefordert, ab einer Dosierung von 0,8 Gramm (entspricht dem Fünftel einer Knoblauchzehe) pro Tag einen Warnhinweis in den Beipackzettel einzufügen. Dies entspricht einem Zehntel der in der Studie von Piscitelli verwendeten Dosierung.

Heutzutage wird Saquinavir (anders als in der Studie) praktisch nicht mehr ungeboostet (als Fortovase® ) eingesetzt, sondern (als Invirase® ) nur noch in Kombination mit Ritonavir (Norvir® in niedriger Dosierung). Ob man die Ergebnisse der Studie auf geboostetes Saquinavir übertragen kann, ist nicht klar. Eigentlich ist die Situation bei einer Boosterung mit Ritonavir anders, denn Norvir® blockiert die medikamentenabbauenden Enzymsysteme.

Zu erwarten ist, dass auch die Konzentration anderer Protease-Inhibitoren (und möglicherweise auch von NNRTI) gesenkt werden könnte, doch gibt es dazu bisher leider keine Studien.

Wenn man HIV-Medikamente einnimmt und auf Knoblauchpräparate nicht verzichten möchte, wird wie bei Johanniskraut dringend empfohlen, sich darüber mit seinem HIV-Arzt / seiner HIV-Ärztin abzusprechen. Eventuell kann eine Bestimmung der Blutspiegel der HIV-Medikamente weiter helfen.

Ritonavir (in Norvir® oder in Kaletra® ) kann zu einer ausgeprägten Knoblauch-Unverträglichkeit führen, d.h. in diesem Falle auch gegen frischen Knoblauch.
Info+
Wie ist das nun mit dem Knoblauch auf der Pizza?

Hierzu -also zu frischem Knoblauch- gibt es leider keine Studie. Es gibt allerdings drei Argumente, warum man auch mit einer Proteasehemmer-Therapie (mit Saquinavir) keinen großen Bogen um ein Pizza machen muss:

1. Der vom BfArM benannte Sicherheitsabstand (ab 0,8 Gramm/Tag = ein Fünftel einer Knoblauchzehe) ist sehr hoch. Die Tagesdosis in der Studie war 10-fach höher. Zwei Zehen pro Person finden sich kaum in einem Essen.

2. Bei der Studie wurde die tägliche Einnahme von Knoblauchpräparaten untersucht. Man nimmt aber normalerweise nicht täglich große Mengen Knoblauch mit dem Essen zu sich.

3. Die Ergebnisse eines ungeboosteten Proteasehemmers lassen sich nicht einfach auf einen geboosteten Proteasehemmer übertragen.

Wenn man also nicht gerade eine Knoblauchunverträglichkeit hat (s.o.), kann man das Essen im italienischen Restaurant also nach wie vor genießen. Mit wirklich großen Mengen Knoblauch (oder bei Knoblauchpräparaten) sollte man aber vorsichtig sein bzw. mit seinem Arzt/seiner Ärztin sprechen.

Literatur:
Piscitelli SC, Burstein AH, Welden N, et al.: The effect of garlic supplements on the pharmacokinetics of saquinavir. Clin Infect Dis. 2002 Aug 1;35(3):343

Markowitz JS, Devane CL, Chavin KD, et al.: Effects of garlic (Allium sativum L.) supplementation on cytochrome P450 2D6 and 3A4 activity in healthy volunteers. Clin Pharmacol Ther 2003;74(2):170-7.

An in vitro evaluation of human cytochrome P450 3A4 and P-glycoprotein inhibition by garlic. Foster BC, Foster MS, Vanderhoek S, et al. J Pharm Pharmaceut Sci, 2001, 4:176-184.

Brief des BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) vom Oktober/November 2006 an die Arzneimittelhersteller mit der Aufforderung, einen Warnhinweis zu Knoblauch in den Beipackzettel einzufügen.