Wechselwirkungen
Was sind Wechselwirkungen?
Es gibt zwei Arten von Wechselwirkungen:
Pharmakodynamische Wechselwirkungen treten auf, wenn zwei Medikamente gleichzeitig eingenommen werden und diese beiden Medikamente sich in ihrer
reinen Wirkung beeinflussen, d.h. entweder verstärken oder aufheben.
Beispiele:
- Kombination von verschiedenen HIV-Medikamenten verstärken sich in iIhrer Wirkung.
- Ein blutdrucksteigerndes Arzneimittel hebt die Wirkung eines Blutdrucksenker
auf.
Auch Nebenwirkungen können durch zwei Arzneimittel verstärkt wirken.
Beispiel:
- Viracept und Kaletra können beide jeweils einzeln Durchfall auslösen. Mit dieser Kombination können Durchfälle verstärkt auftreten.
- Paracetamol und HIV-Medikamente sind jeweils für sich bei einer Einnahme über längere Zeit lebertoxisch. Deshalb sollten diese beiden Medikamente nicht langfristig miteinander eingenommen werden.
Beispiele:
- Der Arzneistoff wird im Körper gelöst.
Einige Arzneistoffe wie z.B. die Protease-Hemmer Atazanavir und Indinavir lösen sich bei einem bestimmten pH-Wert im Magen auf. Ist dieser pH-Wert im Körper aufgrund einer zusätzlichen Einnahme von Säureblockern (z.B. Antacida, H2-Blocker oder Protonenpumpenhemmer) nicht gegeben, können diese Arzneistoffe nicht gelöst und damit nicht vom Körper resorbiert werden. Die Spiegel dieser Protease-Hemmer sinken im Körper. Reduzierte Wirkspiegel der Protease-Hemmer verstärken das Risiko der Resistenzbildung.
- Der Arzneistoff wird im Körper resorbiert.
Flohsamen, Kleie und Kohle können durch Bindung an den Arzneistoff, die Resorption, d.h. die Aufnahme des Arzneistoffes über die Dünndarmschleimhäute verhindern. Da der Arzneistoff am Wirkort nicht ankommen kann, geht die Wirkung dieses Arzneistoffes verloren.
- Der Arzneistoff wird im Blut zum Wirkort transportiert.
Arzneistoffe werden im Blut an Transportmoleküle gebunden, den so genannten Plasmaproteinen. Ist die Bindung besonders stark ausgeprägt wie z.B. bei Marcumar® können andere Arzneistoffe aus dieser Bindung verdrängt werden und es kann zu Spiegelschwankungen beider Arzneistoffe kommen.
- Der Arzneistoff wird im Körper abgebaut.
Das größte Potential an Wechselwirkungen in der HIV-Therapie ist beim Abbau der Arzneimittel in der Leber zu finden. Die Leber besteht aus einer Vielzahl von Enzymen, die Arzneistoffe und giftige Produkte abbauen und aus dem Körper entfernen können. Das größte Enzymsystem der Leber ist das Cytochrom System, das aus vielen verschiedenen Unterenzymen besteht. 50% aller Medikamente werden über das Unterenzym CYP3A4 abgebaut.
Wenn zwei Arzneistoffe gleichzeitig über das gleiche Enzym abgebaut werden, kann der Abbau eines der beiden Arzneistoffe gehemmt werden. Die Spiegel dieses Arzneistoffes steigen im Blut und die Wirkung bzw. die Nebenwirkungen verstärken sich.
Zusätzlich gibt es Arzneistoffe, die Enzyme komplett hemmen, so dass andere Arzneistoffe langsamer abgebaut werden. Andere Arzneistoffe fördern die Produktion von Enzymen, so dass andere Arzneistoffe schneller abgebaut werden können.
- Der Arzneistoff wird ausgeschieden.
Arzneistoffe, die wasserlöslich sind, werden über die Niere ausgeschieden. Werden gleichzeitig mehrere Arzneimittel über die Niere ausgeschieden, kann es zu einem Stau kommen und als Folge zu veränderten Arzneistoffspiegeln.
2. Welche Wechselwirkungen treten in der HIV-Therapie auf?
In der HIV-Therapie verschreibt Ihnen der Arzt neben einer HIV-Medikamenten-Kombination weitere Medikamente. Sie kaufen in der Apotheke freiverkäufliche Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel wie Pflanzenextrakte, Vitamine und Mineralien. Außerdem konsumieren einige Patienten Life-Style Drugs und Drogen neben Ihrer HIV-Therapie.
Alle diese Arzneimittel müssen vom Körper über die Leber oder Niere abgebaut werden und können miteinander in Wechselwirkung treten.
In der HIV-Therapie treten Wechselwirkungen deshalb so häufig auf, weil der größte Teil der HIV-Medikamente über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut wird und die HIV-Medikamente sich dort gegenseitig beeinflussen.
Doch nicht nur die HIV-Medikamente werden über dieses Leberenzym abgebaut, sondern auch eine Vielzahl von anderen Medikamenten und pflanzlichen Präparaten.
Außerdem können die HIV-Medikamente dieses Enzym hemmen oder induzieren, d.h. die Produktion dieses Enzyms verstärken.
A.
Inhibitoren sind z.B. Protease-Hemmer. Sie hemmen das Leberenzym, sodass die anderen Arzneistoffe langsamer abgebaut werden können.
- Verlangsamter Abbau der Medikamente
Werden Medikamente langsamer abgebaut, erhöhen sich die Medikamentenspiegel im Blut und Nebenwirkungen können verstärkt auftreten.
B. Induktoren sind z.B. NNRTIs. Sie steigern die Produktion dieses Leberenzyms, sodass weitere Medikamente schneller abgebaut werden können.
- Beschleunigter Abbau der Medikamente
Bei einem beschleunigten Abbau der HIV-Medikamente, sinken Medikamentenspiegel im Blut. Die erniedrigten Spiegel ermöglichen resistenten HI-Viren, sich vermehrt zu bilden und die Prognose des weiteren Therapieverlaufs zu verschlechtern.
Medikamentenspiegel im Blut
Nicht nur HIV-Medikamente können diese Eigenschaften besitzen.
Johanniskraut ist z.B. ein pflanzliches Medikament, das in der Apotheke als pflanzliches Mittel gegen Depressionen verkauft wird. Dieses scheinbar so harmlose pflanzliche Präparat ist ebenfalls ein Induktor und hat die Eigenschaft, Spiegel anderer Medikamente zu senken. Es kann die Spiegel der Protease-Hemmer oder NNRTIs senken und somit eine gut laufende Therapie gefährden. Deshalb sollte man
Johanniskraut nicht oder nur in Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.
3. Welche Wechselwirkungen sind in der HIV-Therapie zu beachten?
HIV-Medikamente und pflanzlichen Präparate
Leider gibt es sehr wenig Daten zu Wechselwirkungen zwischen den HIV-Medikamenten und pflanzlichen Extrakten. Deshalb kann man bei manchen Pflanzenextrakten nur Vermutungen anstellen.
Bekannt ist bis jetzt, dass
Johanniskraut,
Knoblauch und
Ginseng die Spiegel der NNRTIs und Protease Hemmer senken können. Zu Johanniskraut gibt es sehr harte Daten. Knoblauch wurde bisher in einer Studie mit Saquinavir getestet und zu Ginseng gibt es nur eine in vitro Untersuchung, d.h. eine Untersuchung aus dem Reagenzglas. Auch bei der täglichen
Vitamin C Gabe von 1000 mg wird eine induzierende Wirkung vermutet. Aber auch hierzu gibt es noch keine festen Daten.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker über diese Präparate oder über mögliche Alternativen. Einige Patienten berichten z. B. zur Zeit über Ihre positiven Erfahrungen mit
Fischölkaspeln als Alternative zu Johanniskraut.
Bei folgenden Produkten ist Vorsicht geboten:
Johanniskraut Kapseln, Knoblauch Kapseln, Ginseng Kapseln.