Special: Homöopathie bei HIV und HAART
Kann Homöopathie bei HIV eingesetzt werden? Was kann man erwarten? Passt die Homöopathie mit der HAART zusammen?
Vorbemerkung
Während über die Behandlung von Krebserkrankungen zahlreiche homöopathische Veröffentlichungen (Fälle, Bücher) vorliegen und es sogar in der Schweiz eine homöopathisch geführte Krebs-Klinik gibt, liegen zu HIV/AIDS wenig homöopathische Veröffentlichungen und Fallberichte vor.
Das liegt sicherlich auch darin begründet, dass die "Schulmedizin" mit der antiretroviralen Therapie (HAART) die HIV-Infektion ausgezeichnet therapiert.
Homöopathie hat bei HIV/AIDS eher die Rolle einer begleitenden Therapie mit dem Ziel, den Patienten körperlich und seelisch zu stabilisieren und ihm den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern. Anzustreben ist eine Kommunikation zwischen der HIV-Schwerpunktpraxis und dem/der homöopathischen Ärztin/dem homöopathischen Arzt.
Voraussetzung für eine erfolgreiche homöopathische Therapie ist der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen Homöopath/in und Patient/in.
Homöopathie ist mehr als "Globuli schlucken", sie ist eine Lebenshaltung, die nur bei gesunder Lebensweise funktioniert.
Homöopathie bei HIV/AIDS
In der homöopathischen Behandlung von HIV/AIDS gelten die Gesetze, wie sie Hahnemann in seinem Werk "die chronischen Krankheiten" ausführlich dargelegt hat.
Chronische Krankheiten führen - sagt er - unbehandelt zwangsläufig zum Tod. AIDS ist eine der bedrohlichsten Erkrankungen weltweit und bedarf einer optimalen Betreuung von Seiten aller behandelten Ärzte und Therapeuten.
Ziele der homöopathischen Behandlung eines AIDS -Erkrankten müssen in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung bestimmt werden.
Die Schwere der Erkrankung setzt sich aus 3 Gruppen von Symptomen zusammen:
aus den Symptomen von AIDS
aus den Symptomen der antiretroviralen Therapie (HAART)
aus Symptomen unabhängig von HIV/AIDS und HAART
In der Fallaufnahme oder homöopathischen Erstanamnese werden alle 3 Gruppen sorgfältig erforscht.
Nach der Fallaufnahme erfolgt die homöopathische Ausarbeitung und Analyse.
Mit dem Patienten/der Patientin werden danach die Behandlungsziele besprochen und eine homöopathische Arznei verabreicht.
Darüber hinaus werden Fragen der Lebensführung und mögliche Heilungshindernisse besprochen.
Praktisches Vorgehen
Fallaufnahme
Bei der Fallaufnahme gilt es zunächst den aktuellen Zustand des Erkrankten genau zu erfassen. Im sogenannten Spontanbericht soll der Patient erzählen, wie es ihm geht. Der Homöopath/ die Homöopathin fragt dann gezielt nach, um zu klären:
was sind die Symptome, die am meisten stören
welche Umstände verschlimmern, welche verbessern den Zustand
wie ist der Umgang mit der Krankheit - wie geht es seelisch
wie wird HAART vertragen
Dann wird der Verlauf der Erkrankung erfasst. Sämtliche Befunde und Dokumente, alle stattgefundenen und laufenden Therapien mit evt. aufgetretenen Komplikationen werden besprochen.
Wichtig ist die Frage, wie es zu Erkrankung gekommen ist - welche Symptome bestanden vor dem Ausbruch, in welcher Lebenssituation befand sich der Patient.
Das Gesamtbild wird abgerundet durch
die biographische Krankheitsgeschichte von der Geburt bis zur Erkrankung an HIV/AIDS
die Familienanmese
die wichtigsten biographischen Stationen
seelische und emotionale Eigenschaften
Allgemeinsymptome wie Schwitzen, Temperaturempfindung, Essensvorlieben und - abneigungen, Einfluss von Wetter, usw. (= den ganzen Menschen betreffend Eigenschaften)
das Kopf-zu-Fuß-Schema, wo alle Organe nach Symptomen erfasst werden (= Lokalsymptome)
ggf. eine Fremdanamnese durch Angehörige oder behandelnde Ärzten/innen
die körperliche Untersuchung
Ausarbeitung der Anamnese
Aus der Vielzahl von Symptomen gilt es die zu bestimmen, die die Erkrankung am besten charakterisieren, die am individuellsten sind. Das sind meistens etwa 6-10 Symptome, in denen das homöopathische Arzneimittel aufgesucht wird.
Parallel erfolgt eine Einschätzung des Schwergrads der Erkrankung, um festzulegen, was mit Homöopathie erreicht werden kann. Es muss abhängig vom jeweiligen Fall bestimmt werden, was in der Behandlung am wichtigsten ist: Geht es um Symptome der HIV/AIDS -Erkrankung, der HAART oder stehen sogar Symptome im Vordergrund, die mit HIV/AIDS primär nichts zu tun haben.
Es werden immer die Symptome behandelt, die aktuell im Vordergrund stehen, die den größten Leidensdruck bereiten. So lassen sich beispielsweise für die Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie wie Schwindel, Durchfall, Fettstoffwechselstörungen oder Kopfschmerzen durch gezielte Befragung helfende homöopathische Arzneien auswählen.
Mittelgabe
Nachdem die homöopathischen Behandlungsziele gemeinsam besprochen wurden, erfolgt die Mittelgabe.
Arzt informiert darüber:
wie die Einnahme erfolgt
was zu beachten ist (diätetische Vorschriften, Hinweise zur Lebensführung)
welche Wirkungen eintreten können
in welchem zeitlichen Rahmen die Wirkungen stattfinden
wie sich die Einnahme mit laufende Therapien verträgt
Verlauf
Am Anfang erfolgt ein engmaschiger Kontakt, auch telefonisch, um auftauchende Behandlungsfragen schnell zu klären. Jeder Patient/jede Patientin reagiert anders auf homöopahische Arzneien und muss erst ein Gespür für deren Wirkweise bekommen.
Ein Problem stellen die täglichen Einnahmen der antiretroviralen Medikamente und Zusatz- Medikamente dar, da sie evt. die Wirkungen der homöopathischen Arzneien abschwächen. Hier muss der Homöopath mit dem Erkrankten herausfinden, in welchem Abstand die homöopathische Arznei eingenommen werden soll.
In einem ausführlichen Folgtetreffen nach 3-4 Wochen werden erste Behandlungsergebnisse besprochen und das weitere Vorgehen bestimmt.
Zusammenfassung
Homöopathie kann bei Menschen mit HIV/AIDS eine körperliche und seelische Stabilisierung erreichen und damit die Lebensqualität sichern. Chronische und akute Beschwerden lassen sich positiv beeinflussen.